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Canoe/Kayak Sprint World Championships 2013 Duisburg

Duisburg 2013 Find all information about the canoe/kayak world champs 2013 in Duisburg. After Rio de Janeiro gave back the host of the world championships in Septembre 2012 Duisburg is again working to create a great canoe festival after 2007.
Short facts:

Das ganze Leben ist ein Sprint

(de)

Durch die Umstellung von 500 auf 200 Meter hat sich für Berlins Kanu-Star Rauhe viel verändert

Ein bisschen enttäuscht war er schon, als er hörte, dass der Austragungsort der Weltmeisterschaft in diesem Jahr verlegt wird. So exotisch sind die Ansetzungen für Titelkämpfe im Kanu-Rennsport nur selten. Rio de Janeiro sollte es sein. Im heftigen Kontrast dazu steht Duisburg, das als Ausweichort einsprang. Ronald Rauhe kann auch damit leben, er freut sich sogar über diesen Ersatzort.

Duisburg ist nun die Heim-WM (27.8. bis 1.9.), und bislang sieht es so aus, als würde sich Rauhe dort gut in Szene setzen können. Zweiter und Dritter wurden Jonas Ems und er bei den beiden Weltcup-Starts im K2 über die olympischen 200 Meter. "Wir haben ein bisschen rumprobiert und getüftelt", sagt Rauhe. Bei der Europameisterschaft am Wochenende in Portugal soll in der Praxis getestet werden, was das gebracht hat.

Ob schon größere Sprünge möglich sind, steht erst einmal im Hintergrund. "Für uns ist wichtig, die Abläufe zu automatisieren", erzählt der Berliner, der für den KC Potsdam startet. Deshalb wollten er und Ems auch unbedingt vor zwei Wochen in Polen starten, obwohl ihr Einsatz beim Weltcup dort nicht geplant gewesen war. Doch jedes Rennen bringt Routine und damit Sicherheit. Das ist viel wichtiger geworden als früher.

Einst fuhr Rauhe die 500 Meter, gemeinsam mit Tim Wieskötter. Als die 2009 zugunsten der 200 Meter aus dem olympischen Programm fielen, mussten sich beide neu orientieren, weil ihr Boot für die Sprintstrecke nicht kompatibel war. "Jetzt", sagt der 31-Jährige, "darfst du dir keinen Fehler mehr erlauben. Sobald irgendetwas nicht passt, kommst du ins Schwimmen." Auf der längeren Strecke ließen sich immer ein paar Dinge korrigieren, mal mit Kampf, mal mit Kraft, mal mit Technik. Das funktioniert über 200 Meter nicht mehr.
Darum ist nun alles etwas anders im Training. "Jetzt geht es viel um Feinarbeit, wir arbeiten oft mit Messtechnik, machen viele Videoanalysen, weil es auf Hundertstel Versatz ankommt. Das sieht man mit dem bloßen Auge oft gar nicht", erzählt Rauhe. Hinzu kommt die mentale Komponente, im Rennen darf man sich nicht beeinflussen lassen. "Du musst stur dein Ding durchfahren, auch wenn der Gegner vielleicht gerade eine schnellere Phase hat", so der Berliner. Wer von seinem eingeübten Muster abweicht, hat meist keine Chance mehr.

Wie alles in Perfektion zusammengeführt wird, sehen Rauhe und Ems bei den Russen Alexander Djatschenko und Juri Postrigai. Die paddeln derzeit vorneweg, wurden in London 2012 Olympiasieger, gewannen die Weltcups. "Das muss ich neidlos anerkennen, die fahren saustark", sagt Rauhe und muss sich bei den Superlativen fast bremsen. Deren Synchronität und Technik beeindrucken ihn: "Ich sage das nicht oft bei Gegnern, aber das sieht schon ästhetisch aus." Ems und Rauhe schauen auf Video, was die anders machen, um davon zu lernen.

Über 500 Meter waren Rauhe und Wieskötter lange das perfekte Beispiel für alle. Beide wurden 2004 Olympiasieger und verloren von 2001 bis 2007 nie bei internationalen Meisterschaften. Die Russen erinnern Rauhe jetzt an diese Zeit, obwohl er nicht glaubt, dass ihre einstige Dominanz jetzt auf der kurzen Strecke so lange wiederholt werden kann. Er sagt, er selbst vermisse das Vornewegfahren nicht, weil ihn vor allem das Streben nach Leistung fasziniere.

Manchmal kann das auch hart sein. Rauhe ist der erfolgreichste deutsche Kanute aller Zeiten, 13 WM-Titel hat er unter anderem gesammelt. Als er in London bei Olympia im K1 und K2 im Finale jeweils Achter und Letzter wurde, hat ihn das schwer getroffen. "Du denkst, du hast dein Gesicht verloren", erzählt er. Die Niederlage schmerzte ebenso wie 2008, als bei Olympia die Siegesserie mit Wieskötter riss. Noch lange danach setzte er sich kritisch mit sich selbst auseinander, fand heraus, dass einiges auf einmal schief gelaufen war. Ein Trost immerhin war, dass viele versuchten, ihn zu besänftigen. "Das baut einen auf, wenn sie dir sagen, dass du immer ihr Vorbild warst", erzählt Rauhe.

Auch als Reaktion auf die Niederlagen lässt Rauhe den Einer nun weg. Die Trainingszeit auf beide Disziplinen aufzuteilen, geht nicht mehr, weil die Dichte der Konkurrenz das nicht zulässt. Mit der Konzentration auf eine Strecke will er auch verhindern, dass die Russen noch länger an Rauhe/Wieskötter erinnern. Mit dem Heimvorteil in Duisburg ist das vielleicht einfacher. Und Rio steht ja auch bald wieder auf dem Plan, in drei Jahren finden dort die Olympischen Spiele statt. Die will Rauhe noch mitnehmen, weil er fühlt, dass er nach London etwas richtigzustellen hat.

Artikel erschienen am 16.06.2013
Marcel Stein

Source: http://mobil.morgenpost.de/printarchiv/sport/article117158220/Das-ganze-Leben-ist-ein-Sprint.html